Orpha Selbsthilfe Forum

Aktuell:
  • BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile 5 1

Autor Thema: BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile  (Gelesen 42689 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Kein Ausgleich bei nächtlichem Sturz auf Dienstreise 

Auf Dienstreisen sind Mitarbeiter gesetzlich unfallversichert (GVU). Aber gilt das auch, wenn sie nachts im Hotelzimmer auf dem Weg zum Klo stürzen und sich einen Wirbel brechen? Stürzen Mitarbeiter auf einer Dienstreise nachts im Hotelzimmer, sind sie nicht gesetzlich unfallversichert. 

Urteil des SG Düsseldorf (Az.: S 31 U 427/14)

Auf Dienstreisen greift der Versicherungsschutz nicht während der nächtlichen Schlafenszeit. Wer dann in seinem Hotelzimmer auf dem Weg zum Klo stolpert und sich verletzt, hat keinen Arbeitsunfall. In dem verhandelten Fall verlangte ein Ingenieur von der GVU eine Entschädigung. Der Mann war auf einer Dienstreise nachts im Hotel gestürzt. Auf dem Weg zur Toilette morgens um 4:00 Uhr fiel er über einen Gegenstand, der am Boden lag, und brach sich einen Lendenwirbel. Die Unfallversicherung lehnte es ab, eine Entschädigung zu zahlen.

Urteil:
Das Sozialgericht gab der GVU Recht. Zwar greife bei einer Dienstreise grundsätzlich der Schutz der GVU.
Der bestehe aber nur soweit, wie die Tätigkeit mit der Arbeit wesentlich zusammenhängt. Die nächtliche Schlafenszeit und der Gang zur Toilette seien dem rein persönlichen Bereich zuzurechnen und nicht gesetzlich unfallversichert. Eine Ausnahme sei nicht ersichtlich. Die könnte man annehmen, wenn der Grund für den Sturz durch eine gefährliche Einrichtung auf der Dienstreise ausgelöst wird. Hier war Ursache für den Sturz einen Gegenstand am Boden sowie die Dunkelheit im Zimmer. Beides sei keine besondere Gefahr.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2016
« Letzte Änderung: 26. März 2016, 10:24:12 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
BG – Unfall auf dem Gang

- der Unterschied -


Verletzen sich Mitarbeiter auf dem Weg zum WC während der Arbeitszeit, sind sie gesetzlich unfallversichert.
Da gilt der Unfallschutz selbstverständlich.
Anders geartet ist die Situation, wenn jemand während der Arbeitszeit eine Raucherpause macht
und sich dabei z. B. ein Bein bricht.
Der Weg dorthin sei nicht versichert. Urteil  SG Karlsruhe (Az.: S 4 U 1189/15)

In dem Fall trägt der Arbeitnehmer die Kosten für die Behandlung selbst.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ Altmark März 2016
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Die 5 am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten

Viele wissen: Ein Dachdecker bekommt es irgendwann mit dem Rücken.
Doch gehören bestimmte Rückenprobleme auch zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten?

Die Nummer eins der am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten kommt dreimal häufiger vor als die Nummer zwei. Und der Hauptgrund für die meisten Krankheiten ist Asbest.

Das sind die fünf am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland:
Platz 1: Lärmschwerhörigkeit = 6649 Fälle
Platz 2: Asbestose (Lungenerkrankung durch Asbest) = 1967 Fälle
Platz 3: Mesotheliom (Tumorerkrankung durch Asbest) = 1048 Fälle
Platz 4: Lungen-/Kehlkopfkrebs (durch Asbest) = 834 Fälle
Platz 5: Infektionskrankheiten = 814 Fälle

Die Angaben kommen von der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz und beziehen sich auf 2014. Aktuellere Zahlen gibt es noch nicht.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  April 2016    

Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Keine Abfindung der Unfallrente bei verkürzter Lebenserwartung

BG`s dürfen die Auszahlung einer Unfallrente als einmalige Abfindung ablehnen,
wenn der Rentenempfänger nach ärztlicher Feststellung nur eine verkürzte Lebenserwartung hat.
Es sei statthaft, wenn der Versicherer darauf achte, dass der einmalige Abfindungsbetrag und die voraussichtliche monatliche Rentenzahlung miteinander korrespondierten.

Urteil: SG  Dortmund (Az. S 17 U 487/14)

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  April 2016 
« Letzte Änderung: 15. Juni 2016, 09:08:52 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Vergiftete DDR-Erdgas-Kumpel kämpfen um Entschädigung -

Exakt  MDR




Argument der BG:
Bislang ist uns keine wissenschaftliche Studie bekannt, die einer erhöhte Gefährdung durch  gelegentlichen Quecksilber- bzw. minimale Benzolkontakt bekannt. (Aussagen nach 2:20 bzw. 4:55 Minuten)
Es muss nicht mit letzter Sicherheit bewiesen sein, dass die Quersilber- bzw. Benzolbelastung die Erkrankung ausgelöst hat, folgeweislich muss nur eine Belastung von Quecksilber bzw. Benzol und die Erkrankung die dazu passt bestehen.
Und ob die Erkrankung durch Quersilber bzw. Benzol ausgelöst wurde muss nur hinreichend wahrscheinlich sein. Das ist eine Beweiserleichterung die das Gesetz zu Gunsten von Betroffenen vorsieht.



« Letzte Änderung: 26. Juni 2016, 09:53:35 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Was können Betroffene tun, wenn die BG nicht zahlen will?

MDR-Reportage

Internetseite der Rechtsanwaltskanzlei:

Battenstein
« Letzte Änderung: 12. Juli 2016, 10:31:04 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Unfallschutz auch bei Mini-Umwegen auf dem Arbeitsweg

Ein Mann steigt auf dem Weg zur Arbeit noch einmal aus seinem Auto aus, um das Hoftor zu schließen. Er rutscht dabei aus und bricht sich die Schulter. Die gesetzliche Unfallversicherung (GUV) will dies nicht als Arbeitsunfall anerkennen.
Zu Unrecht, entschied nun das Hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 3 U 108/15)

Wenn Berufstätige auf dem Weg zur Arbeit einen Umweg machen und dabei einen Unfall haben, kann der gesetzliche Unfallschutz entfallen. Von diesem Grundsatz gibt es allerdings eine Ausnahme:
Steigt jemand z.B. beim Verlassen seines Hauses nur kurz aus dem Auto aus, um ein Hoftor zu schließen und rutscht er dabei aus, so ist das höchstens ein geringfügiger Umweg. Der Unfall ist dann versichert.

Im verhandelten Fall ging es um den Hausmeister einer Schule, der morgens mit seinem Wagen von seinem Grundstück gefahren und dann noch einmal ausgestiegen war, um das Hoftor zu schließen. Dabei rutschte er auf glattem Boden aus und brach sich kompliziert die Schulter. Die Behandlungskosten betrugen rund 36.900 €. Die GUV weigerte sich zu zahlen. Sie argumentierte, das Schließen des Hoftores sei ein nicht versicherter Umweg auf dem Weg zur Arbeit.

Das sah das Hessische LSG allerdings anders.
Selbst wenn man annehmen würde, dass hier eine Unterbrechung des Arbeitswegs vorliegt, sei diese nur geringfügig - und habe damit keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz, befanden die Richter.

Urteil des Hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 3 U 108/15)
« Letzte Änderung: 10. August 2016, 10:58:54 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Kein Arbeitsunfall:

Verletzung im Home Office


Wann ist ein Unfall als Arbeitsunfall zu bewerten?

Einmal entschied das BSG für den AN, einmal gegen ihn.
Es ging um Heimarbeitsplätze und Weihnachtsfeiern.
Wer von zu Hause aus arbeitet und sich beim Wasserholen den Fuß bricht,
kann dafür keinen Arbeitsunfall geltend machen.
BSG-Urteil: Az: B 2 U 5/15 R .             

Der AG habe nicht das Risiko zu verantworten, wie der Lebensbereich des AN gestaltet sei, hieß es zur Begründung. Im konkreten Fall wollte eine Frau, die im Home Office arbeitet, vom Arbeitszimmer im Dachgeschoss in die Küche im Stock darunter laufen, auf der Treppe brach sie sich den Fuß.             
Das BSG erklärte, die Wohnung sei eine private, nicht versicherte Lebenssphäre.
Zudem sei es den Trägern der GVU kaum möglich, dort gefahrenreduzierende Maßnahmen wie etwa schwarz-gelbe Sicherheitsmarkierungen zu ergreifen. Die Richter stellten klar, dass der Weg zur Nahrungsaufnahme auf Betriebswegen zwar grundsätzlich versichert ist. Essen und Trinken an einer Betriebsstätte unterliege aber betrieblichen Vorgaben und Zwängen. Im Home Office könne der AN jedoch selbst entscheiden, wann er sich Wasser hole.     
 
Dagegen ist ein Unfall auch bei der Weihnachtsfeier einer kleineren Abteilung in einem Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich unfallversichert.
Die Anwesenheit eines höheren Chefs sei dafür nicht länger erforderlich. Die bisherige Rechtsprechung des BSG, nämlich dass ein Chef dabei sein muss, sei nicht mehr haltbar.  (Az: B 2 U 19/14 R).         
Allerdings müsse die Feier im Einvernehmen mit der Betriebsleitung stattfinden, alle Mitarbeiter der Abteilung müssten eingeladen sein und die Teamleitung daran teilnehmen.
Auf die Anzahl der Teilnehmer komme es nicht an, betonten die obersten deutschen Sozialrichter.
 
Im konkreten Fall war eine Frau bei einer Wanderung während einer Weihnachtsfeier ihrer Abteilung gestürzt und hatte sich am Arm verletzt. Betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen wie Weihnachtsfeiern förderten das Betriebsklima und stärkten den Zusammenhalt der Beschäftigten untereinander. Sie stünden deshalb unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

BSG-Urteil zu Home Office

BSG-Urteil zu Weihnachtsfeier                                           

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Juli 2016   
« Letzte Änderung: 10. September 2016, 07:06:19 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Bei Vertrag mit Verein:

Versicherung für Amateurfußballer 


Fußballer in den Amateurliegen kicken meist aus Spaß an der Freude.
Dennoch steigt die Anzahl der Kicker, die mit einem Verein einen Vertrag schließen.
Verletzen sich diese Vertragsfußballer während eines Spiels, muss die Berufsgenossenschaft (BG) einspringen. Sozialgericht Trier (Az.: S 5 U 141/15).

Amateurfußballer in den unteren Ligen, die einen Vertrag mit ihrem Verein geschlossen haben,
sind gesetzlich unfallversichert. Das gilt auch bei einer nur sehr geringen Vergütung.


Der Fall:

Der Spieler hatte gemäß den DFB-Statuten einen Arbeitsvertrag mit einem Fußballverein.
Bei einem Punktespiel erlitt er eine Ruptur des vorderen Kreuzbands.
Die GUV lehnte allerdings die Feststellung eines Arbeitsunfalls ab.
Argument:  der Spieler habe nicht in einem erforderlichen Beschäftigungsverhältnis gestanden.

Die monatliche Vergütung von 250 € stehe nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zum zeitlichen Aufwand von rund 35 Stunden im Monat. Die GUV ging von einem Unfall im Freizeitsport aus.

Das Urteil:

Nach Auffassung des Gerichts lag aber ein Arbeitsunfall vor.
Es komme nicht auf die Entgelthöhe an.
Auch die Grundsätze des Mindestlohns könnten nicht als Maßstab der Abgrenzung zwischen Beschäftigung und Freizeit herangezogen werden. Vertragsamateure seien von der Anwendung des Mindestlohns ausgenommen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, die Deutsche Rentenversicherung Bund und die Bundesagentur für Arbeit hätten entschieden, dass bei Überschreiten der Steuerfreigrenze von 200 € monatlich eine sozialversicherungsrechtlich relevante Beschäftigung bestehe.
Daher unterliege auch der Vertragsfußballer dem Schutz der BG.
Die BG erkannte den Anspruch des Fußballspielers an, so dass der Rechtsstreit sich erledigt hatte.


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  August 2016

« Letzte Änderung: 08. Oktober 2016, 10:10:33 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
BG – kein Dienstunfall

Hautallergie durch Druckerstaub
 


Eine Hautallergie durch Tonerstaub in der Büroluft und an den Akten ist nach einem Gerichtsbeschluss kein Dienstunfall. Geklagt hatte ein Finanzbeamter aus Lüdinghausen (OVW Münster  (Az.: 3 A 964/15).

Er hatte geltend gemacht, durch den Staub aus Laserdruckern, der sich in den Räumen der Finanzämter und an den dort zu bearbeitenden Schriftstücken befinde, an einer sogenannten Kontaktdermatitis erkrankt zu sein.
Der Arbeitgeber hatte den Antrag auf Anerkennung als Dienstunfall abgelehnt.
Der Beamte klagte, scheiterte jedoch vor dem Verwaltungsgericht Münster.

Die Berufung des Klägers ließen die Richter der nächsten Instanz nun erst gar nicht zu.
Um die Allergie als Dienstunfall anzuerkennen, sei es erforderlich, dass der Beamte der Gefahr einer Erkrankung erheblich stärker ausgesetzt sei als die übrige Bevölkerung, entschied das Oberverwaltungsgericht.
Eine Tätigkeit im Innendienst eines Finanzamtes jedoch berge kein höheres Risiko.
Andere Berufe, etwa das Friseurhandwerk, brächten eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit solcher Hauterkrankungen mit sich. 

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  August 2016
« Letzte Änderung: 24. Oktober 2016, 09:53:40 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Die fünf Branchen mit den meisten Arbeitsunfällen

Ob Dachdecker, Fensterputzer oder Akrobat - viele Berufe sind gefährlich.
An welchen Arbeitsplätzen sich die meisten Unfälle ereignen, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 

In welchen Branchen gibt es die meisten Arbeitsunfälle?
Die Angaben beziehen sich jeweils auf 100.000 Erwerbstätige pro Wirtschaftszweig.

Platz 1: Baugewerbe/Bau (4609)
Platz 2: Wasserversorgung, Abwasserentsorgung (4453)
Platz 3: Verkehr und Lager (3325)
Platz 4: Kunst, Unterhaltung, Erholung (2967)
Platz 5: Waren (2643)

Die Daten hat das Statistische Bundesamt 2015 veröffentlicht - sie beziehen sich auf Unfälle in 2013 und stammen aus der Europäischen Statistik der Arbeitsunfälle (ESAW).
Ausgenommen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts tödliche Arbeitsunfälle,
da diese wegen ihrer Schwere separat erfasst werden.
Die Reihenfolge würde sich aufgrund der geringeren Anzahl allerdings auch nicht ändern.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  November 2016 
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Arbeitsunfall -

Ausweichmanöver im Verkehr als Rettungstat


Bei einem Unfall können auch Verkehrsteilnehmer gerettet werden.
Dann nämlich, wenn ein bewusstes Ausweichmanöver vorliegt, um andere beteiligte Personen zu schützen.
Dies ist folglich ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung (GUV).

Wer bei einem Unglücksfall hilft, steht unter dem Schutz der GUV.
Gleiches gilt, wenn jemand durch ein Ausweichmanöver versucht, einen Zusammenstoß zu vermeiden und dann selbst einen Unfall hat. Sozialgerichts Dortmund (Az.: S 17 U 955/14)

Der Fall:
Ein Fahrradfahrer nahm einem Motorradfahrer, der privat unterwegs war, die Vorfahrt.
Bei seinem Ausweichmanöver stürzte der Motorradfahrer.
Er verletzte sich unter anderem an den Schultergelenken.
Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen lehnte es ab, dieses Ereignis als entschädigungspflichtigen Arbeitsunfall anzuerkennen. Angesichts der kurzen Reaktionszeit und der hohen Verletzungsgefahr für Motorradfahrer liege keine Rettungsabsicht vor.

Das Urteil:
Die Klage des Motorradfahrers gegen die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen war erfolgreich.

Die Unfallkasse müsse den Unfall als Arbeitsunfall anerkennen und somit das Unfallopfer unter den Schutz der GUV stellen. Grundsätzlich bestehe dieser Schutz für Personen, die bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten. Aber auch, wenn jemand einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit rettet. Im vorliegenden Fall sei letzterer Tatbestand gegeben. Der Kläger war dem Fahrradfahrer ausgewichen - und hatte ihn so vor einer erheblichen Gefahr gerettet. Auch eine spontane Rettungsaktion wie ein Ausweichmanöver im Straßenverkehr kann die Voraussetzungen dafür erfüllen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2017
« Letzte Änderung: 17. Februar 2017, 09:29:50 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Nach Unfall:

Anspruch auf Haushaltshilfe auch im Alter


Selbstständige Lebensführung Sind Menschen nach einem Unfall auf Unterstützung im Haushalt angewiesen,
können sie eine zusätzliche Rente erhalten.
Das gilt auch für Senioren, die älter sind als 75 Jahre.
Eine Altersgrenze für diesen Zuschuss gibt es nun nicht mehr.


Wer nach einem Autounfall Hilfe im Haushalt braucht, kann Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben - auch in Form einer Rente. Menschen, die älter als 75 Jahre sind, waren davon bisher oft ausgeschlossen.
Gerichte hatten Ansprüche aufgrund eines sogenannten Haushaltführungsschadens meist nur bis zu diesem Alter gewährt. Die Grenze gilt jedoch nicht mehr, weil sie nicht mehr zeitgemäß ist.
Urteil des OLG Koblenz (Az.: 12 U 996/15)

Demnach steigt nicht nur die Lebenserwartung der Menschen. Auch die Selbstständigkeit im Alter nimmt zu.
Es sei deshalb davon auszugehen, dass auch 75-Jährige und Ältere sich noch selbst um ihren Haushalt kümmern.
Nur wenn es Zweifel an der Selbstständigkeit gibt, könne der Anspruch auf die zusätzliche Rente für Haushaltsführungsschäden eventuell aus Altersgründen enden.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2017
« Letzte Änderung: 20. Februar 2017, 10:11:41 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.631
Verdacht auf Berufskrankheit -

Job mit Gesundheitsrisiko -

Was ist nun zu tun...

Ständiger Kontakt mit Wasser bei der Arbeit oder das häufige Einatmen von Mehl:
In manchen Berufen wie Frisör oder Bäcker gibt es ein erhöhtes Risiko, aufgrund des Jobs zu erkranken.
Doch was sollten Betroffene tun, wenn der Verdacht auf eine Berufskrankheit besteht?

Ständiger Ausschlag an den Händen oder Asthma: Bei manchem Betroffenen mit solchen Symptomen liegt der Verdacht nahe, dass die Gesundheitsprobleme ihre Ursache in den Arbeitsbedingungen haben.

Der behandelnde Arzt kann den Fall dann bei der zuständigen Berufsgenossenschaft (BG) oder Unfallkasse (UK) melden.
Eine andere Möglichkeit ist es, sich direkt an die BG oder die UK zu wenden.
Im Jahr 2015 gab es in Deutschland insgesamt 76.991 Anzeigen mit dem Verdacht auf eine Berufskrankheit.
Der Verdacht wurde in knapp 50% der Fälle (37.149) bestätigt.
Nach dem Gesetz gilt eine Erkrankung nur dann als beruflich bedingt, wenn sie in der  Berufskrankheiten-Liste  aufgeführt ist.
In der derzeitigen Fassung sind dort 77 Krankheiten aufgenommen.

Nach der Anzeige des Verdachts beginnt der Unfallversicherungsträger zu ermitteln.
Liegt eine Berufskrankheit vor, wird auf verschiedenen Wegen versucht, sie zu mildern und zumindest einen schlimmer werdenden Verlauf aufzuhalten.
Bei einer Beeinträchtigung mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20% wird zudem eine Rente gezahlt.
Das ist allerdings eher selten der Fall: Von den 37.149 Fällen, bei denen sich 2015 der Berufskrankheitsverdacht bestätigt hat, wurde in 5.049 Fällen eine Rente zuerkannt.

Doch was ist, wenn der Unfallversicherungsträger die Berufskrankheit erst gar nicht anerkennt?
In diesem Fall können Betroffene zunächst einen Widerspruch einlegen.
Bringt dieser nichts ein, gibt es noch die Möglichkeit der Klage vor dem Sozialgericht.

Fragen und Antworten - Berufskrankheiten

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Februar 2017
« Letzte Änderung: 29. März 2017, 10:39:55 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.