Hallo an alle,
ich (26 Jahre) habe heute endlich eine Diagnose erhalten. Mein Arzt rief mich extra an um mir zu sagen dass mein Befund da ist und ich tatsächlich einen Morbus Hirschsprung habe. Ich hatte das insgeheim schon mal vermutet aber die Befunde waren wirklich sehr heterogen und man bildet sich in seiner Suche nach Gewissheit auch viel ein.
Ich bin über glücklich auch wenn sich nun viele Folgefragen ergeben.
Meine Historie, so wie sie mir gerade einfällt:
Ich habe seit Kindesbeinen an starke Verstopfung gehabt und konnte nur mit Klistier/Irrigator unter starkem Pressen (bis Adern in Gesicht und Augen zum Teil platzen) abführen. Leider hat sich mein Zustand über die letzten Jahre verschlimmert sodass ich immer mehr Maßnahmen immer öfter durchführen musste (2l Pflaumest trinken etc.)
Auf Abführmittel reagiere ich kaum auch das vor der Darmspülung verschriebene Mittel war beim zweiten Mal nur eine bescheidene Reaktion sichtbar.
Als Säugling wurde ich oft in der Kinderklinik gespült - es hieß ich hätte einen zu langen Darm gehabt und der würde sich "verwachsen" man solle mir einfach mehr Pflaumen und Pflaumensaft geben. Und so gingen die nächsten 20 Jahre mit schweren Krämpfen und regelmäßigen Verstopfungen dahin.
Ohne Buscopan gehe ich nicht mehr aus dem Haus.
Ich ernähre mich Ballaststoffreich, mache Sport und Trinke 2-2,5 Liter am Tag.
2009 hatte ich eine Koloskopie (ohne Befund) danach eine Überweisung in Koloproktologie auf die folgten:
Manometrie (keine besonderen Auffälligkeiten), Defäkografie (kein Absetzen möglich, sonst kein Befund), 12 Wochen Biofeedback des Schließmuskels (kein Effekt), Hinton-Test (Passagezeit 55h, oB). Im November folgte dann die Rektozelresektion, die das Problem kurzfristig etwas besserte aber nicht behob.
2010 einige Nachuntersuchungen, hin und wieder ein wenig Blut am Stuhl, einmal kurz Notaufnahme wegen Postoperativen Schmerzen (Tramadol weil der gesamte Enddarmbereich sehr druckdolent war) und dann erstmal Pause mit den Ärzten.
2011 steigerte sich die Problematik wieder sehr. 1 mal pro Woche Verstopfung mit Petechien im Gesicht und einer geplatzten Ader im Auge, bei der Arbeit Kreislaufzusammenbruch und Ohnmacht vor Schmerzen (aufgrund der Verstopfung). Dann eine erneute Koloskopie (oB) die Gastroenterologie verschrieb mir Resolor (Serotonin 5-HT4 Rezeptoragonist) welche ich nun auch seit 6 Monaten mit mäßigem Erfolg nehme und versuche den Irrigatoreinsatz einzuschränken. Ich war nochmal bei meinem Chirurgen wegen der Verengung meines Analkanals, der mit eine Dilatation verordnete. Wir sprachen auch noch darüber ob mir eine Sakralnervenstimulation helfen könnte - aber Zuhause entschied ich mich dagegen. Mein Arzt vermutete eine Slow-Transit Obstipation. Er wollte trotzdem nochmal nachschauen ob wir die Biopsie zum Ausschluss von M. Hirschsprung machen. Er fand aber noch Proben die nach meiner OP gesichert wurden und es wurde losgetestet und da bin ich heute.
Ich bin so glücklich dass ich fast weinen könnte - endlich weiß ich was es ist.
Niemand darf mich mehr fragen ob ich schon mal Flohsamen probiert habe!
Nun will mein Chirurg sich mit Hirschsprung Spezialisten zusammensetzen und dann weitere Möglichkeiten mit mir besprechen.
ich frage mich natürlich viele Dinge nun wo es sicher ist:
Wie groß ist das befallene Segment - schließlich bin ich schon lange damit irgendwie über die Runden gekommen - ?
Wie kann man die Größe des Segments bestimmen?
Wie Aufwendig wäre die OP - kann ich wirklich (trotz dieser sehr späten Diagnose) normalen Stuhlgang ohne heftiges Pressen und Schmerzen erwarten?
Brauche ich dringend ein Stoma - ich würde das liebend gern vermeiden - ?
Für hilfreiche Tipps bin ich dankbar

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Liebe Grüße,
Vapu